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Lesetipp: Naturmaterialien, Licht und Pflanzen

Publiziert am 27.10.2020 von Giardina
Spectrooms

<<Der Beitrag wurde zum ersten Mal publiziert in der Zeitschrift Spectrooms 5/2020>>

Die Maggie’s Centres (vor einem Jahr haben wir in «Spectrooms» das Projekt von BenedettaTagliabue und Patricia Urquiola in Barcelona vorgestellt) sollen Orte sein, an denen Krebspatienten sowohl praktische als auch emotionale Unterstützung erhalten. Die Einrichtungen sollen bewirken, so der Wunsch der Mitgründerin Maggie Keswick Jencks, dass Krebskranke auch in diesem schweren Moment nicht die Freude am Leben verlieren. In Grossbritannien gibt es 26 Maggie’s Centres.

Das Architekturbüro Heatherwick Studio wurde 2012 mit dem Entwurf des neuen Maggie’s Centre am St. James’s University Hospital in Leeds (Yorkshire) beauftragt. Das Universitätsspital ist Europas grösster Ausbildungsort mit dem Leeds Cancer Centre. Der Auftrag von Studio Heatherwick bestand darin, einen weiteren Ort der Entlastung für die Patienten zu schaffen, ein Haus, «das, für sich selbst zu bauen, die Menschen sich nicht vorstellen können», so Studio Heatherwick.

Pavillonartige Beratungsräume
Der ausgewählte Standort für das Centre ist eine der letzten Grünflächen auf dem Gelände des Universitätsspitals, ein kleiner grüner Hügel, umgeben von Strassen und Gebäuden. Normalerweise würde man bei dieser Geländeneigung ein Gebäude in den Hang hinein bauen. Doch Studio Heatherwick folgte mit seinem Entwurf den natürlichen Konturen des Hügels, um den Erkrankten und Besuchern attraktive Ausblicke zu ermöglichen. Das ganze Centre wurde mit der Prämisse entwickelt, natürliche Materialien sowie energiesparende Technologien zu verwenden. Die drei grosszügigen Beratungsräume für die Krebskranken, ihre Familien und Freunde sind räumlich im Dreieck wie Pavillons einander zugeordnet. Die Zwischenräume, ebenfalls alle zum Aussenraum hin orientiert, beherbergen eine Küche, eine Bibliothek und weitere Räume für Aktivitäten. Die tragende Struktur des Gebäudes besteht aus vorfabrizierten nachhaltigen Holzelementen der Schweizer Firma Blumer-Lehmann. Wie eine baumartige Struktur tragen die drei auskragenden, die unteren Bereiche schützenden Pavillons einen zusammenhängenden und mit üppigem Grün bewachsenen Dachgarten. Auf drei unterschiedlichen Ebenen hat hier der Landschaftsdesigner Balston Agius zahlreiche heimische und immergrüne Pflanzen angelegt. Inspiriert von Maggie Keswick Jencks Liebe für das Gärtnern, werden die Besucherinnen und Besucher dazu ermutigt, sich an der Pflege der Pflanzen in diesem Dachgarten zu beteiligen.

Ausschliesslich natürliche Materialien
Die Innenarchitektur des Centres widmet sich einem viel diskutierten, aber immer noch zu selten umgesetzten gestalterischen Anspruch der «Healing Architecture»: Die Räume sind geprägt von natürlichen und taktilen Materialien sowie weich und hell einfallendem Tageslicht. Die Räume sind so gestaltet, dass sie zu sozialer Interaktion anregen, aber ebenso Möglichkeiten bieten für ruhige Momente des Alleinseins. Dazu gibt es Fensterbänke und eine Vielzahl von Regalen, die dafür gedacht sind, dass man sie mit mitgebrachten Objekten füllt, um eine gemütliche und wohnliche Atmosphäre zu schaffen.

Grosses Experiment
Inspiriert von der Tragstruktur der Gebäudehülle, hat das Studio Heatherwick zwei Tische entworfen, bestehend aus Kork und Buche. Sie bilden das Zentrum der grosszügigen, hellen Räume des Leeds Centres, das den Krebspatienten und ihren Besuchern kostenlos zur Verfügung steht. «Es war für uns ein grosses Experiment», so Studiogründer Thomas Heatherwick, «für Menschen, die an Krebs erkrankt sind, einen seelenvollen und einladenden Ort zu schaffen, ganz anders als die typischen klinischen Umgebungen. Durch die ausschliessliche Verwendung von natürlichen, nachhaltigen Materialien, einer natürlichen Lüftung sowie Tausenden von Pflanzen ist es möglich geworden, einen aussergewöhnlichen Raum zu schaffen, der eine Art Hoffnung erfahrbar macht in dieser schwierigen Zeit.» Heatherwick Studio zeigt mit dem Leeds Centre, dass es mit einer einfühlsamen und achtsamen Architektur möglich ist, Räume zu gestalten, die einen grossen Einfluss darauf haben, wie wir uns fühlen. «Gerade im Bereich des Gesundheitswesens wäre dieser Fokus speziell wichtig», ist Thomas Heatherwick überzeugt, «aber er wird oft übersehen.» 

Spectrooms Spectrooms

Bilder: Hufton & Crow

spectrooms

Diesen Beitrag haben wir im spectrooms, dem Schweizer Fachmagazin für Innenarchitektur, Inneneinrichtung und Design.

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