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Lesetipp: Der Felsengarten von Knutwil

Publiziert am 10.11.2020 von Giardina
Felsengarten

<<erschienen in GÄRTEN 2/2020>>

Das Setting einer Landschaft mit Bergsee ist bildgebend für die Konzeption dieses Gartens in Knutwil, im Kanton Luzern. Die mit engem Bezug zur Geschichte des Ortes entwickelte Gartenlandschaft lässt Wohlgefühl und Stimmung aufleben, die sich mit einer derartigen Landschaft verbinden. Der facettenreiche Garten wird geprägt durch sieben mächtige Flaumeichen und eine 35 Tonnen schwere Felslandschaft. 

Ein riesiger Felsbrocken schwebt langsam durch die Luft. Gartengestalter Ben Uhlmann schaut nach oben, gibt dem Kranführer ein Zeichen, in welche Richtung es gehen soll. Die beiden sind ein eingespieltes Team und verstehen sich ohne viele Worte. Aus den riesigen Kalksteinen, jeder von ihnen mehrere Tonnen schwer, komponieren sie in einem neu entstehenden Garten in Knutwil eine Felslandschaft. Das Arbeiten im grossen Massstab erfordert viel Fingerspitzengefühl und Konzentration. Paral¬lel zu den zentimetergenauen Steinsetzungen beginnt das restliche Team mit der Pflanzung von sieben imposanten Flaum-Eichen (Quercus pubescens). Es sind alte Exemplare mit charaktervoller Borke. Sie werden so platziert, dass es zum Schluss aussieht, als würden sie ganz natürlich zwischen den Steinblöcken herauswachsen.

Ein neues Holzdeck soll es sein
Dass in Knutwil ein komplett neuer Garten entsteht, war so eigentlich nicht geplant. Das Besitzerpaar hatte sich an die Gartenkultur AG gewandt, weil sie ihr bestehendes Pooldeck erneuern wollten. Bei einem ersten Besuch entstehen spannende Diskussionen, die weit über das Holzdeck hinausgehen. Bald spricht man davon, wie sich der gesamte Garten in seiner Aufenthaltsqualität optimieren liesse. Sie habe sich nie so richtig wohlgefühlt draussen, erinnert sich die Gartenbesitzerin. «Ben Uhlmann verstand mich sofort und fasste in Worte, was ich schon lange fühlte.»Dem Pool, so meinte er, fehle eine räumliche Begrenzung, wodurch er sich optisch verliere. Mit grossen Bäumen liesse sich viel verändern. Damit stiess er bei ihr auf offene Ohren. Schon immer hatte sie sich Bäume gewünscht, jedoch gedacht, der Garten sei zu klein dafür. Nach der Neugestaltung wird deutlich: Werden Bäume gepflanzt, wirkt der Gartenraum grösser. 

Ben Uhlman nimmt die beiden mit auf eine Tour durch bestehende Gärten. Sie erkennen, was möglich ist, und spüren, wie wohl sie sich in den vielgestaltigen «Gartenzimmern»fühlen. Schnell fällt die Entscheidung, den Garten komplett umzugestalten. Inklusive neues Holz¬deck natürlich. Schon bald kraxeln sie im Steinbruch über Felsbrocken und suchen sich gemeinsam mit dem Gartengestalter die schönsten Stücke für ihr Grundstück aus.

Mit Niveausprüngen räume schaffen
Der neue Garten schafft eine enge Verbindung zwischen Wohn- und Aussenraum. Ein markantes Felsband, das parallel zum Pool verläuft, setzt diesen in einen neuen Kontext. Schwimmt man seine Längen, wähnt man sich mitten in einer Felslandschaft. Zwischen dem erhöht liegenden Poolbereich und dem restlichen Garten sind durch den Einbau von schlichten Metallstufen verschiedene Ebenen entstanden. Diese betonen durchgängig die Horizontale und sorgen so für ein ruhiges Bild. In die entstehenden Gartenräume sind Sitzbänke, Lounge und ein Brunnen integriert. Auf der Nordseite des Holzdecks, das aus robustem Ipé-Holz besteht, vermittelt ein geometrisch angelegtes Pflanzband aus Japanischem Schachtelhalm (Equisetum japonica) zwischen Wohnzimmer und Garten. Beim Blick nach draussen verleiht es dem Auge Halt. Der neu errichtete Pavillon in der Süd¬ostecke des Gartens ist die «Zigarren-Lounge», die sich der Hausherr gewünscht hatte. Die Strukturen, die ein Künstler in die Betonwand integriert hat, erinnern an die Borke einer Eiche. Durch die Veränderungen im Garten ist ein komplett neuer Ort entstanden. «Der Garten hat uns ein neues Lebensgefühl geschenkt», erzählt die Hausherrin. «Er wirkt durch die neue, räumliche Aufteilung viel grösser und hat so viele schöne Plätzchen zu bieten.»

Eichen, Zwergkiefern, Farne
In den Pflanzflächen zwischen den Felsen und entlang der Grundstücksgrenzen wachsen gruppenweise angeordnet Zwerg-Bergkiefern (Pinus mugo var. pumilio) und verschieden grosse Eibenkugeln. Die waldartige Unterpflan¬zung mit Farnen, Helleborus und Lilien¬traube (Liriope ‘Monroe White’) nimmt das Spiel von Licht und Schatten auf. An der bestehenden Eibenhecke, die das Grundstück umgibt, rankt sich nebst Kletterhortensien auch ein Dutzend cremefarbene ‘Uetersener Kloster¬rosen’ hoch und sorgt für den spätsommer¬lichen Blühaspekt. Sie knüpfen an die Geschichte des Orts an, an dem einst ein Kloster gestanden hat. Die Hortensien ‘Limelight’ und ‘Little Lime’ sorgen vor den dunklen Eiben für Klarheit und schaffen durch den entstehenden Kontrast räumliche Tiefe. Festuca, Pennisetum und Gaura verkörpern die Leichtigkeit einer Blumenwiese und vermitteln zwischen Pool und Felslandschaft. Den Frühling prägen bunte Wildtulpen und weisse Narzissen.

Wenn abends die Dämmerung einsetzt, erhellen gezielt platzierte Spots die Baumgestalten und verleihen dem Garten eine zusätzliche Dimension. Und wenn in der Feuerschale vor dem Hintergrund der Eichen die Flammen züngeln, dann ist auch die Romantik nicht mehr weit. Im Felsengarten von Knutwil gilt, was Gartengestalter Ben Uhlmann von japanischen Meistern gelernt und verinnerlicht hat: «Alles beginnt mit einer Vision».  

Text: Caroline Zollinger
Bilder: Sam Bosshard

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