Das Friaul: Gärten sind Orte der Möglichkeiten
Gärten besitzen eine natürliche Kraft, Geschichte nicht wortwörtlich, sondern mit feinen Gesten weiterzuerzählen: Zerfallene Kriegsspuren werden sinnlich, Gärten zu Orten des Erinnerns, geprägt von Verlust, Erneuerung und beständiger Hoffnung.
Gärten sind Orte der Möglichkeiten. Sie besitzen eine natürliche Kraft, die Geschichte weiterzuerzählen – nicht wortwörtlich, sondern mit feinen Gesten. So verwandeln sie selbst die Spuren von Krieg und Zerstörung in etwas Sinnliches und schaffen Räume für friedliches Erinnern. Besonders eindrücklich wird dies im Giardino Viatori bei Gorizia sichtbar: Auf einem Hang oberhalb der Stadt hat Professor Luciano Viatori in den 1970er-Jahren ein Terrassengarten-Paradies mit Hunderten von Azaleen, Rhododendren, Magnolien und weiteren Blumen geschaffen, das einen ehemaligen Bombenkrater zu einem Teich verwandelte – ein stiller, farbiger Gegenpol zur Geschichte der Region.
Nur wenige Kilometer entfernt bei Sagrado erinnert der Parco Ungaretti an die Schrecken und zugleich die lyrische Kraft der Erinnerung: Der Park ist dem Dichter Giuseppe Ungaretti gewidmet, der im Ersten Weltkrieg an der Isonzo-Front kämpfte und dort die Grundlagen seiner berühmten Sammlung Il porto sepolto fand. Der Ort umfasst künstlerische Installationen, in Stein und Holz eingravierte Verse und Wege, die die Landschaft zu einem poetischen wie historischen Erlebnisraum machen.
Im weiteren Friaul spiegeln sich die Umbrüche der Zeit vielfach in der Geschichte der Gärten wider: Nach dem Fall der Republik Venedig und den Zerstörungen Napoleons verschwanden viele kunstvoll angelegte Villengärten, und in den folgenden Jahrhunderten prägten Unabhängigkeitskriege, zwei Weltkriege und Naturereignisse wie das Erdbeben von 1976 die Landschaft. Dass dennoch Gartenanlagen überdauerten oder neu entstanden, zeugt von einer tief verwurzelten Resilienz. Zu den überdauernden gehören neben Giardino Viatori auch historische Anlagen wie die hängenden Gärten des Castello di Duino am Golf von Triest sowie moderne Projekte und Spezialgärten, etwa Rosensammlungen und thematische Gärten rund um die „Königin der Blumen“.
Was aber alle Gärten eint, ist die stille Präsenz ihrer Bäume – jahrhundertelang standhaft, Zeugen des Rhythmus der Jahreszeiten und Träger einer unendlichen Geschichte von Verlust, Erneuerung und der leisen Hoffnung, die allem zugrunde liegt. Und nun wünschen wir Ihnen schöne Entdeckungen.